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Der Borkenkäfer

Der Borkenkäfer ist einer der gefährlichsten Schädlinge in der Forstwirtschaft. Borkenkäfer finden in kranken geschwächten und absterbenden Bäumen günstige Entwicklungsbedingungen. Durch klimatische Veränderungen treten Schäden durch den Borkenkäfer immer häufiger auf und durchziehen sogar den städtischen Baumbestand in Berlin.

Als Borkenkäfer bezeichnet man eine Unterfamilie der Rüsselkäfer. Der Borkenkäfer ist  nicht ein spezieller Käfer sonder viel eher bezeichnet dieser Name eine Gruppe von Käfern. Ihnen allen ist eine bestimmte Lebensart oder Vorliebe gemein.

Biologie des Borkenkäfers und Auswirkung auf die Baumgesundheit

Borkenkäfer geben sich überwiegend mit dem holzigen Teil der Pflanze zufrieden. Sie nutzen das verholzte Gewebe um sich fortzupflanzen, zu fressen und ihrem zahlreichen Nachwuchs eine Unterkunft zu bieten. Hierbei unterscheidet man in Rindenbrüter und Holzbrüter. Dabei nutzen die Rindenbrüter den Teil des Baumes der sich direkt unter der Rinde befindet, nämlich den Bast. Die Holzbrüter hingegen bevorzugen den bereits abgestorbenen Teil der Pflanze – den Holzkörper.

So unwesentlich wie sich dieser kleine Unterschied in der Lebensweise der beiden Borkenkäfertypen auch lesen mag, umso bedeutender ist die daraus folgende Konsequenz für den Baum!

Leben und Fortpflanzen tun sich Rindenbrüter also im Bastgewebe, den Teil der dafür verantwortlich ist Nährstoffe in jeden Winkel des Baumes zu transportieren. Der Borkenkäfer unterbricht diesen Nährstofffluss durch seine Fraßgänge und Brutkammern. Es ist nicht schwer, die Fraßgänge unter sich ablösenden Rinde des erkrankten Baumes zu finden.

Holzbrüter toben sich, wie oben schon erwähnt, im bereits abgestorbenen Teil des Baumes aus und verändern seine Stabilität. Neben der eingeschränkten Standsicherheit spielt der Wertverlust des Holzes eine große Rolle in der Forstwirtschaft.

Begünstigung für den Schädlingsbefall

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich Borkenkäfer eher mit kränkelnden, absterbenden Bäumen beschäftigen. Dort haben sie es leichter und müssen keine Schutzmechanismen wie Harze oder Toxine überwinden. Ist der Baum geschwächt durch Trockenheit, ungünstige Standortbedingungen oder andere Faktoren, hat der Borkenkäfer leichtes Spiel.

Es ist eher die Ausnahme das gesunde Bäume befallen werden, aber auch hier gibt es Abweichungen. Beispielsweise bei dem Buchdrucker und dem Kupferstecher – beides Namen für Borkenkäfer die sich auf die Fichte spezialisiert haben. Die Fichte wird in unseren Landen in Monokultur angepflanzt – sie wachsen schnell, meist schnurgerade und liefern somit verhältnismäßig zügig und zuverlässig nutzbares Holz.

Wütet ein Sturm und wirft haufenweise Fichten um, ist der Boden ausgelaugt durch die jahrzehntelange einseitige Nutzung oder gab es einen heißen, trockener Sommer, setzt das die Bäume unter Stress. Es schwächt ihre Vitalität und macht sie anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Buchdrucker und Kupferstecher befallen die kraftlosen Fichten und vermehren sich massenweise unter diesen für sie optimalen Bedingungen. Die Käferpopulation steigt rasant an. So wird aus einem Schädling, der sich von Natur aus eher mit kranken, ausgemergelten Bäumen zufrieden gibt, eine nicht zu unterschätzende Gefahr für den gesamten Bestand. Selbst gesunde Fichten sind bei solch einem Massenangriff machtlos und erliegen der Käferinvasion.

Vorbeugung

Wie zuvor schon erwähnt ist der Borkenkäfer ein Schädling, der sich eher auf geschwächten Baumindividuen niederlässt.  Somit hat er auch seinen Nutzen: er zerlegt als sogenannter Zersetzer organische Substanzen in anorganische und vollendet so den Stoffkreislauf. Die daraus resultierende Auswirkung auf den Gesamtbestand ist eher gering. Das massenhafte Auftreten ist das Problem, dem es vorzubeugen gilt. Wie im vorherigen Absatz bereits angesprochen ist der monokulturelle Anbau bedenklich. Mischbestände mit Laubgehölzen sind hierfür ein Lösungsansatz, denn sie sind wesentlich weniger anfällig für Schäden wie Wind- oder Schneebruch. Ein andere Möglichkeit der Vorbeugung besteht darin, es dem Borkenkäfer zu erschweren eine Brutstätte zu finden. In der Praxis hieße das, erkrankte und geschwächte Bäume zu fällen und zügig zu verräumen, liegendes Holz zu entrinden oder auch im Wasser zu lagern-so entzieht man dem Schädling die Lebensgrundlage und beugt so einer Massenverbreitung vor.

Fazit

Die Natur hat ihre eigene Regeln und reagiert empfindlich auf Einmischung. Entscheiden wir uns Bäume in Massen zu pflanzen, an Standorten die für sie nicht günstig sind, nur damit wir einen möglichst hohen Ertrag erzielen können, so hat das Konsequenzen. Verändern wir das Klima und manipulieren an Ökosystemen rum sind Negative Effekte die Folge. Alles was wir aus dem Gleichgewicht, aus der Bahn werfen, wird über kurz oder lang in diverser Gestalt zu uns zurückkommen.

Der Borkenkäfer ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir ihm durch unser Handeln und unser Eingreifen überhaupt erst ein massenhaftes Auftreten ermöglichen. Nur so kann er  immensen Schaden anrichten.

Im Falle des Borkenkäfers habe ich einige der vorbeugenden Maßnahmen bereits genannt, abschließend möchte ich aber ganz allgemein noch erwähnen das die Natur sehr gut und sehr lange ohne den Menschen zurecht kam.  Lässt man ihr die Ruhe und die Zeit, ganz ohne ohne jedes menschliche Zutun, kann die Natur erstaunliche Selbstheilungskräfte hervorbringen, sich regenerieren und neu formen. Wenn Sie nur die Gelegenheit hätte…

 

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